Mondfest

Es ist Mondfest, aber es fühlt sich völlig geschmacklos an. Die Sonne draußen brennt. Ich hatte vor, rauszugehen, aber das Gespräch verlief im Sande, und das war’s. In unserem Leben gibt es nichts, was wir unbedingt tun müssen, und nichts, was wir unbedingt nicht tun müssen – zumindest während der Uni-Zeit kann man das sagen.

Als moderner Stubenhocker, der die große Aufgabe schultert, das Vaterland aufzubauen, greife ich in der Freizeit natürlich zu ein, zwei Animes oder Serien, um die Einsamkeit zu vertreiben. Ich habe The Big Bang Theory in meiner Sammlung. Wann immer ich gelangweilt oder schlecht gelaunt bin, ist diese Serie wirklich gute Medizin. Sheldons Eskapaden haben mir buchstäblich die Mundwinkel vom Lächeln wund gemacht. Jemand mit so einem genialen IQ und null emotionaler Intelligenz ist wirklich schwer zu ertragen. Ich ertappe mich auch dabei, wie ich unbewusst klassische Zeilen aus der Serie nachahme. In Staffel 3, Folge 16, als Sheldon Penny mit einer Diashow erklärt, dass er an ihrer Stelle zum Large Hadron Collider in die Schweiz muss, sagt er diese zwei seltsamen Sätze zu ihr: “AKA me” und “AKA you.” Konnte sie weder bei Baidu noch bei Google finden. Die chinesischen Untertitel übersetzten sie mit “就是我” und “就是你.” Später habe ich auf Wenwen herausgefunden, dass “AKA” die Abkürzung für “Also Known As” ist. Nachgeprüft – ja, genau. Ein paar Stunden Unterhaltung fühlten sich plötzlich sinnvoll an, nur weil ich eine Abkürzung gelernt hatte.

Tieba sagt, Leute wie ich, die das ganze Mondfest online verbringen, müssen wohl unter großem Druck stehen. Da stimme ich zu. Als ich heute Mittag in die Mensa ging, hätte sie zu dieser Zeit voll sein müssen, aber sie war völlig leer. Die Atmosphäre schien anzudeuten, dass ich mal richtig essen gehen sollte. Also ja, heute Abend geht unsere WG essen. Letztes Semester hatte unsere ganze Klasse ein gemeinsames Mondfest-Essen. Ich hatte gehofft, dass es dieses Semester auch so wäre, aber es tut sich gar nichts. Wahrscheinlich die direkte Folge der steigenden Verbraucherpreise. Kann man dem Verfall der sozialen Sitten nicht wirklich anlasten.

Wann immer ein Feiertag ansteht, ist es auch der Tag, an dem China Mobile das Herz blutet. Leute wie wir, die hunderte von SMS im Monat haben, sie aber fast nie nutzen, werden plötzlich aktiv. Du schickst eine, ich schicke eine zurück, aber es dreht sich immer wieder um “Schöne Feiertage.” Da liegt eine gewisse Melancholie drin.