Neujahrsfeierlichkeiten

Am 2. Februar nahm ich den Bus um 7 Uhr morgens zurück nach Chengdu. Auch dieses Jahr war das Neujahrsfest wieder vorbei. Anders als in den Jahren zuvor hatte ich diesmal nicht dieses widerwillige Gefühl, das Zuhause zu verlassen.

Am Tag zuvor war ich in die Stadt gegangen. Am Dorfeingang blickte ich auf die Reihe verschlossener Häuser oberhalb und spürte eine Welle totenstillen Schweigens. In dieser Biegung wohnen zehn Haushalte, meine Großeltern eingeschlossen. Normalerweise leben hier nur fünf ältere Menschen und ein Kind. Diejenigen, die nicht zur Arbeit weggegangen sind, wohnen meist in der Kleinstadt und kommen nur gelegentlich zurück, um etwas Gemüse zu holen, bevor sie sich wieder beeilen. Eines Tages traf ich auf der Straße jemanden, der etwa zwanzig Jahre älter war als ich und mit meinem Vater zur Schule gegangen war. Nach der Familienhierarchie müsste ich ihn „Bruder“ nennen. Er erzählte von ihren Kindheitsspielen und beschrieb lebhaft die ausgelassene Stimmung, als das Dorf noch voller Menschen war. Aber jetzt – von Kinderlärm ganz zu schweigen, selbst Hundegebell ist selten zu hören. Obwohl ich es nicht will, muss ich voraussehen, dass dieses Dorf an der Kreisgrenze, nur zwei oder drei Kilometer von der Nationalstraße oder der Chengdu-Chongqing-Schnellstraße entfernt, irgendwann seine Lebenskraft verlieren wird – nicht durch Naturkatastrophen oder Krieg, sondern durch den unvermeidlichen Bevölkerungsstrom der ländlichen Urbanisierung. Ich mache mir ständig Sorgen, dass dieses Dorf von einem plötzlichen Wind wie Macondo aus Hundert Jahre Einsamkeit weggeblasen wird und aus den Erinnerungen der Menschen verschwindet.

Nur diejenigen, die fern der Heimat sind, können wirklich spüren, welchen Eindruck ihre Heimatstadt in ihren Herzen hinterlassen hat. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, und seine Berge und Gewässer, Winde und Wolken, Felder und Ländereien haben sich tief in mein Herz eingegraben. In Träumen sehe ich noch den Schatten meiner selbst als Kind, wie ich jemanden an der stummen Mündung des Tals verfolge – ich weiß nicht, wer es war. Vielleicht war es Vater, der das Zuhause verließ, oder vielleicht jemand auf einem Motorrad. Aber diese Erinnerungsfetzen sind dabei, ihre Wurzeln zu verlieren, wie Wasserlinsen, die mit der Strömung treiben.