Wir unter dem neuen technologischen Fortschritt

Vor zwei Jahren hatte ich ein MOTO Z3 mit einem 20-Yuan-Dynamic-Zone-Tarif – nur 30 MB Datenvolumen pro Monat. Am Monatsende hatte ich meist noch über zehn MB übrig und war sehr zufrieden. 2010 stieg ich auf ein Windows-Mobile-Handy um. Der Bildschirm wurde größer, die Fotos klarer, aber 30 MB reichten nicht mehr, also zahlte ich zehn Yuan extra und bekam 100 MB pro Monat. Auch da blieb am Ende noch Daten übrig, und ich war recht zufrieden. Später wechselte ich zu einer China-Unicom-3G-Nummer, und mein monatliches Datenvolumen sprang auf 300 MB. Das Handy lief zwar immer noch mit WM, aber die Erfahrung änderte sich, weil die Grundbedingungen andere waren – ich konnte mehr machen, und 300 MB reichten gerade so für den Monat. Inzwischen habe ich das gleiche Handy auf Android geflasht. Es ist schnell, flüssig und hat jede Menge Apps. Verglichen mit Android kommt mir WM wie ein alternder Ochse vor, also habe ich den Gedanken, zurück zum Originalsystem zu gehen, komplett aufgegeben. Aber nach zwei Monaten in Folge habe ich jedes Mal mein Datenlimit überschritten. Ich habe das Gefühl, dass wir unter dem neuen technologischen Fortschritt immer mehr zu Sklaven der Technik werden – ob aktiv oder passiv. Unsere Wünsche werden von den Anbietern gesteuert. Je mehr Daten sie dir geben, desto mehr kannst du erleben. Aber wenn ich zurückblicke, waren wir früher zufriedener. Darum vermisse ich ab und zu die Ära der Farbbildschirm-Handys, ja sogar der Schwarz-Weiß-Bildschirme. Damals waren Handys wirklich nur zum Quatschen und Kommunizieren da. Wir haben nur angerufen, wenn es nötig war – ganz anders als heute, wo wir stumm auf Bildschirme starren, ob beim Essen, Gehen oder Schlafen. Klar, es gibt heute viel mehr Kommunikationswege – Weibo, WeChat, QQ – aber sind wir wirklich glücklicher als in der Schwarz-Weiß-Ära? Ich glaube nicht. Die Handy-Apps haben jeden in einen Radiosender verwandelt. Jeden Moment wollen wir etwas sagen, aber nur wenige sind auf derselben Frequenz. Trotzdem lassen wir uns lieber von Informationen überfluten, als unsere Einsamkeit zuzugeben. Wir posten ständig Updates für Leute, die wir nie getroffen haben, aber heben trotzdem nicht den Kopf, um mit der Person gegenüber am Esstisch zu reden. Allein essen ist wirklich einsam.

Technologischer Fortschritt ist nie eine schlechte Sache, aber wir müssen aufpassen, dass wir uns darin nicht verlieren. Die britische Serie Black Mirror – nur drei Folgen – wirkt wie eine technologische Parabel. Besonders die dritte Folge mag ich, weil ich mir früher selbst Sheldons hochauflösenden Gedächtnis-Chip vorgestellt habe – jede Formel, jede Szene, die ich sehe, im Gehirn speichern, damit ich nicht mehr lesen oder denken muss. Einfach Wissen abrufen, wenn ich es brauche. Aber als ich sah, wie der Hauptdarsteller das implantierte Speichergerät aus seinem Körper grub, war meine naive Fantasie zerstört. Siehst du, dumme Menschen – Technik ohne moralische Unterscheidung bringt Bequemlichkeit, aber auch Nebenwirkungen. Wir müssen uns nicht an alles erinnern, was wir sehen und hören. Manche Illusionen und Lügen zerstören das Leben nicht; im Gegenteil, sie sorgen dafür, dass die Dinge reibungslos laufen.

Wenn ich einen Punkt als den ewigen Zustand der Menschheit wählen müsste, würde ich mich definitiv für das Jetzt entscheiden. Ich interessiere mich auch nicht für den technologischen Stand der Menschheit in fünfzig oder sechzig Jahren. All das liegt daran, dass ich in der Gegenwart lebe, mit einer Zukunft, die ich nicht kenne. Ich will einfach gut im Hier und Jetzt leben und mich nicht von der Technik quälen lassen.