Regen

Nur an Tagen, an denen man den Schirm vergessen hat und nach der Arbeit in den Nieselregen schaut, während die Kolleginnen wie durch Zauberhand Sonnenschirme hervorzaubern und davonschweben, fühlt man sich wirklich einsam und hoffnungslos. Nach ein paar Minuten Zögern in der Eingangshalle, mit dem Gemurmel „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“, trat ich in den Regen, der niemals enden wollte. Ein Schwall von Mut und Überzeugung stieg in mir auf: Niemand wird dich retten – außer dir selbst.

Also schwang ich mich auf mein Fahrrad ohne Schutzbleche und fuhr langsam durch den Regen. Nass werden war unvermeidlich, also versuchte ich, dabei noch elegant auszusehen und meine Haut das Frühlingswetter genießen zu lassen. Was für ein Lebenskünstler ich doch bin, dachte ich – selbst bei diesem Mistwetter, wenn ich schon falle, dann mit Stil.

Das erste Mal, dass ich im Regen fuhr, war vor vielen Jahren im Sommer. Ein Verwandter hatte sich einen Knochen gebrochen und lag im Krankenhaus. Sein Sohn kam aus Xichong nach Chengdu, um ihn zu pflegen, und wohnte vorübergehend bei mir. Einmal fuhren wir zu zweit auf einem Fahrrad vom Krankenhaus zurück. Kurz vor zu Hause schlug das Wetter plötzlich um – es wurde stockdunkel, ein heftiger Wind kam auf, Staub und Plastiktüten vom Markt flogen durch die Luft. Dann setzte der Starkregen ein, und bald lief das Abwasser über die Straßen, während die Gullideckel Blasen warfen. Ich hatte das Gefühl, die ganze Stadt würde überflutet. Wir suchten Schutz auf dem Markt. Er fragte: „Was jetzt?“ „Durchbrechen!“ Ich zögerte einen Moment, dachte, niemand würde mich retten, und folgte ihm in den Regen.

Danach bin ich nie wieder in einen Regen geraten. Aber mein tiefster Eindruck von Regen stammt aus der Kindheit. In der Grundschule lebte ich bei meinen Großeltern im Dorf. Eines Tages aßen wir unter dem Vordach zu Mittag, als das Wetter wieder abrupt umschlug – diesmal kein Wind, nur rollende dunkle Wolken, die alles pechschwarz machten. Damals gab es Gerüchte, die Welt ginge unter, und ich dachte wirklich, es sei so weit. Plötzlich schlug der Blitz direkt in den Berg vor uns ein, mit dem heftigsten Donner – die Reisschale wäre fast gesprungen. Ich sagte zu Opa: „Das ist ja furchtbar! Lass uns drinnen essen!“ Er nahm gelassen ein Stück eingelegtes Gemüse, biss in seinen Reis und sagte: „Was gibt es da zu fürchten? Uns trifft es nicht!“ Also saß ich unter dem Vordach, dem tosenden Donner und Blitz gegenüber, und aß ruhig meine Schale Reis auf, bis der Wolkenbruch kam.

Wenn ich heute daran denke, war meine künstlerischste Phase tatsächlich die Kindheit. Später hatte ich nie wieder die Muße, Blitze, Donner und spritzende Regentropfen zu genießen.